Studie: Aktuell wird das Solarpotenzial längst nicht ausgereizt

 

(djd). Dächer von Neubauten sind der ideale Ort für neue Photovoltaikanlagen. Sie bieten ein riesiges Potenzial für die Energiewende. Das hat auch die deutsche Politik erkannt, diskutiert wird über eine bundesweite Solarpflicht. Derzeit gleicht das Land allerdings noch einem Flickenteppich. Wer etwa in Baden-Württemberg ein neues Haus bauen will, muss ab dem 1. Mai 2022 eine Solaranlage auf dem Dach installieren lassen. Ab Januar 2023 gilt das dann auch bei einer „grundlegenden“ Dachsanierung von Bestandsgebäuden. Berlin und Hamburg machen Solaranlagen auf Neubauten ab 2023 zur Pflicht, in einigen anderen westdeutschen Bundesländern sind entsprechende Pläne weit gediehen. Das alles ist Zukunftsmusik, aber wie wird das Solarpotenzial auf den Dächern der 14 größten deutschen Städte derzeit ausgeschöpft? Das Ergebnis des LichtBlick* Solarchecks 2021 ist ernüchternd: Der Solarfaktor – das Verhältnis der Fläche neu errichteter Solaranlagen zu neu gebauten Dachflächen – liegt in 8 der 14 Metropolen unter 30 Prozent.

 

Die Solarpflicht soll für mehr Photovoltaik bringen
Gerade in den deutschen Großstädten wird das Potenzial an Photovoltaik noch völlig unzureichend ausgenutzt.
Foto: djd/LichtBlick SE/Gyula Gyukli/Fotolia

 

Große regionale Unterschiede: Essen top, Hamburg flop

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Die regionalen Unterschiede in Sachen Solarfaktor sind enorm. In der Ruhrgebietsmetropole Essen liegt er bei knapp 63 Prozent, in Köln bei gut 47 Prozent und in Leipzig bei 46,5 Prozent. Der Berliner Solarfaktor beträgt lediglich etwa 15 Prozent, in Frankfurt sind es knapp 12 und in Hamburg sogar nur gut 10 Prozent. Die Elbmetropole ist damit zum zweiten Mal nach 2020 Schlusslicht des Solarchecks. Das könnte sich jedoch ab 2023 ändern, wenn die besagte Solarpflicht in der Hansestadt in Kraft tritt. „Dächer sind die grünen Kraftwerke der Zukunft. Hier kann Klimaschutz bezahlbar und verbrauchernah realisiert werden“, bestätigt Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Klima- und Energiepolitik beim Ökostromanbieter LichtBlick*. Derweil könnte eine Verpflichtung bei Neubau in der nächsten Legislaturperiode auch im Bund zum Thema werden.

 

Grafik zur Solarpflicht
Essen top, Hamburg flop: In der Ruhrgebietsmetropole erreicht der Solarfaktor einen Wert von knapp 63 Prozent, in der Hansestadt liegt er bei lediglich gut zehn Prozent.
Foto: djd/LichtBlick SE

 

Ausschlaggebend sind im Moment noch große Dachanlagen

Auffällig bei den Ergebnissen des Solarchecks ist auch, dass ein guter Solarfaktor oft auf den Neubau weniger großer Dachanlagen zurückgeht. So machen in Leipzig, Bremen, Dortmund und der Siegerstadt Essen solche Anlagen mit einer Leistung von mindestens 100 Kilowatt über die Hälfte des gesamten Photovoltaik-Neubaus aus. Solarmodule auf neuen Mehrfamilienhäusern oder kleineren Gewerbebauten sind dagegen auch in den gut platzierten Städten eher die Ausnahme.

 

Grafik zur Solarpflicht
Ausgerechnet die beiden größten deutschen Städte Berlin und Hamburg zählen zu den drei Kommunen mit der niedrigsten Solarquote. Dritter im Bunde ist die Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Foto: djd/LichtBlick SE

 

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Dächer von Neubauten sind der ideale Ort für neue Photovoltaikanlagen. Sie bieten ein riesiges Potenzial für die Energiewende. Das hat auch die deutsche Politik erkannt, diskutiert wird über eine bundesweite Solarpflicht. Umgesetzt wird sie in einigen Bundesländern ab 2022 und 2023. Wie aber wird das Solarpotenzial auf den Dächern der 14 größten deutschen Städte derzeit ausgeschöpft? Das Ergebnis des LichtBlick* Solarchecks 2021 ist ernüchternd: Der Solarfaktor – das Verhältnis der Fläche neu errichteter Solaranlagen zu neu gebauten Dachflächen – liegt in 8 der 14 Metropolen unter 30 Prozent. Die regionalen Unterschiede in Sachen Solarfaktor sind enorm. In der Ruhrgebietsmetropole Essen liegt er bei knapp 63 Prozent, beim Schlusslicht Hamburg sind es gerade einmal zehn Prozent.

 

Solarpflicht soll für mehr Solaranlagen sorgen
Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich Umfragen zufolge Solarstrom vom Dach.
Foto: djd/LichtBlick SE/Marina Lohrbach/Fotolia